Aschermittwoch und Fischessen

 

„Bedenke Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“, lassen sich die Kirchgänger am Aschermittwoch sagen und Staub über den Kopf streuen bzw. in Kreuzform auf die Stirn zeichnen. Dabei besiegelt der Aschermittwoch nur, was in der Karnevalszeit in der Figur des Narren dargestellt wurde – die Nichtigkeit der Welt. Die Büttenredner hatten nichts anderes versucht, als die Eitelkeit der Großen bloßzustellen. Die Masken stellten die Laster und damit den Menschen auf seinen Abwegen dar. Der Aschermittwoch berechnet sich von Ostern her. Zählt man unter Auslassung der Sonntage 40 Tage zurück, kommt man auf diesen Tag, der dann wie Karneval mit dem jeweiligen Ostertermin wechselt. Der Aschenritus ist sehr alt, denn in der frühen Kirche wurden diejenigen, die eine schwere Sünde begangen hatten, am Beginn der Fastenzeit mit Asche bestreut und so in den Büßerstand aufgenommen. Sie konnten nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen, bis sie am Gründonnerstag wieder in die Gemeinschaft aufgenommen wurden. Sie bekannten sich damit öffentlich als Sünder.
Diese alte Form der Buße kam um die Jahrtausendwende zum Erliegen und wurde durch die in Irland entstandene Ohrenbeichte ersetzt. Während man diese neue Form des Bußsakramentes öfters empfangen kann, wurde die altkirchliche Form nur einmal im Leben gespendet. Da der Aschermittwoch Fasten- und zugleich Abstinenztag ist, d.h. auch der Verzehr von Fleisch verboten ist, kam es zur Herausbildung des Fischessens, das aber als Gegenmittel gegen den Alkoholkonsum und weniger als Ausdruck der Buße gesehen wird. Fischessen schützt vor Herzinfarkt. Daran ist zumindest etwas Wahres dran – schließlich sind in Fisch die wertvollen Omega 3- Fettsäuren enthalten. Ein eher weltlicher Brauch ist das symbolische „Geldbeutelwaschen“. Dadurch soll sich der durch den Fasching strapazierte Geldbeutel wieder füllen. Inzwischen ist es auch ein beliebter Zeitpunkt für viele Kommunen auf die leeren Stadtsäckel hinzuweisen. In Niederbayern treffen sich zu Beginn der Fastenzeit in verschiedenen Städten Politiker der verschiedenen Parteien zu Kundgebungen. Dieser „Politischer Aschermittwoch“ hat eine lange Tradition: Seit 1580 gibt es alljährlich am ersten Tag der Fastenzeit den Viehmarkt in Vilshofen. Hierher kamen und kommen die Bauern und Viehzüchter sowie Käufer aus ganz Bayern.
Nach dem Markt wurde die politische Lage ausgiebig erörtert und diskutiert.
Der Nubbel, eine gekleidete Strohpuppe, ist die Figur des Sündenbocks im Karneval. Er wird während der Karnevalszeit über die Kneipe gehängt und am Veilchendienstag verbrannt. Die Zeremonie ist von Ort zu Ort und von Kneipe zu Kneipe unterschiedlich. Der Pfarrer, die trauernde Gemeinde und natürlich der aufgebahrte Nubbel setzen sich feierlich in Szene. Während der Zeremonie stellt sich mehr und mehr heraus, dass der Nubbel an allen begangenen Sünden Schuld ist. Anrufungen und Litaneien wie z.B. „Kein Bier, kein Flöns, nix is ömesöns...“ oder Segnungen mit einer Klobürste gehören genauso zu diesem Ritual wie sakrale Gesänge. Danach wird der Sündenbock vor der Kneipe feierlich verbrannt und das Volk ist endlich ohne Sünde. Die Trauergemeinde kehrt wieder ein in die Kneipe zum anschließenden Reueessen. Dann klingt endgültig der Karneval für diese Session aus.

Aber noch nicht für uns Greesberger! Denn wie es schon in den letzten Jahren üblich war, feiert die Gesellschaft den Kehraus vom Karneval einige Tage nach Rosenmontag. Der Fischbrunch fand am Sonntag, 21. Februar 2010, im Renaissance- Hotel in der Magnusstraße statt. Um 10:30 Uhr gab es dann den Champagner-Empfang im Foyer. Anschließend wurden die Türen zum Saal geöffnet und man nahm Platz an den festlich hergerichteten Tischen. Leider war die Anzahl der Teilnehmer etwas schwächer als in den Jahren zuvor. Die Köche des Renaissance Hotels bereiteten ein schmackhaftes und reichhaltiges Brunch-Buffet für uns vor. Im Hauptgang gab es Lachsfilet im Blätterteig, rotes Meerbarbenfilet, Kabeljau mit Polentakruste und krosser Schweinebauch in Honigjus. Anders als bei der letzten 11. im 11. Feier fanden wir ein freundliches und aufmerksames Bedienungspersonal vor. In gemütlicher Atmosphäre ließ Präsident Detlef Kramp die Session Revue passieren. Er nannte die positiven, aber auch einige negative Ereignisse, die uns während der Session tangierten. Anschließend kam auch Vizepräsident Günter Post ans Mikrofon und fand die richtigen Worte für unseren Präsidenten Detlef Kramp. Danach gab es Blümchen für Hilde Oelerich und Lilo Post. Eine besondere Überraschung wurde unserem Mitglied und aktivem Reiter im Reitercorps Jens Düren zuteil. Am Nachmittag erhielt er den Verdienstorden der Greesberger. Präsident Detlef Kramp und Reitercorpsführer Jörg Hermann würdigten damit die Verdienste von Jens Düren um die Gesellschaft der Greesberger. Somit endete dann auch für uns am späten Nachmittag die Karnevalssession 2010.
Jetzt freuen wir uns wieder auf die neue Session: Denn da hat „Köln was zu beaten“!

   
Fotos: Bernhard Vosen & Claus Adams
©2010 G.K.G. Greesberger e.V. Köln von 1852
Text: Georg Steinhausen