Generalappell der G.K.G. Greesberger e.V. Köln von 1852
am 12. Januar 2010 im Casino Coellner Hof

Karneval in Köln – das ist Party, Kamelle und Kostüme, das sind feierliche Sitzungen und wirklich wildes Feiern auf der Straße, das ist Satire über die Politik und gemeinsames Lachen über den „Typischen Nachbarn“, das ist rheinische Fröhlichkeit und weltoffene Gastfreundschaft – zusammen genommen: Der Karneval ist rheinisches Lebensgefühl pur. Und er ist wirklich eine eigenständige, fünfte Jahreszeit!
Der Karneval in Köln ist aber mehr als Volksfest, er hat Jahrhunderte alte Traditionen und historische Wurzeln. Und viele Bräuche und Symbole des Kölner Karnevals kann man ohne seine Geschichte gar nicht richtig verstehen. Der Karneval wurde zunächst vom Volk nahezu überall in Europa und darüber hinaus in verschiedenen Formen als Frühlingsfest nach dem entbehrungsreichen Winter gefeiert. Nach der Christianisierung wurde er in das Kirchenjahr eingebaut und erhielt gewissermaßen eine „Ventilfunktion“ vor der Fastenzeit. Im 19. Jahrhundert übernahm das Bürgertum die Führungsrolle und die Maskenbälle wurden „bürgerlich“. Die Gesellschaften mit ihren verschiedenen Farben und Mützen sowie die Corps mit ihrer Militarismus-Verspottung entstanden. Der wilde Karneval wurde geordnet und die Rosenmontags- und Veedelszüge entstanden.
Das Karnevalsgeschehen, auch Fastelovend genannt, lässt sich ganz grob in drei „Stilrichtungen“ einteilen: Da gibt es die Karnevalssitzungen mit offiziellen und ja gesellschaftlich bedeutenden Veranstaltungen, bei denen sowohl professionelle Programme von bekannten Stars als auch selbst gestaltete Beiträge aufgeführt werden. Dann die Kostümfeste und Partys, bei denen in Verkleidung und Maskerade bis in den nächsten Morgen gefeiert wird. Wir Kölsche feiern ja bekanntlich die Feste wie sie fallen. Bei den Veranstaltungen tragen die Mitglieder von Karnevalsgesellschaften Korpsuniformen oder eine Litewka. Das ist ein Uniformrock oder eine farbige Smokingjacke mit andersfarbigen Umschlagkragen. An der Litewka kann man wie bei den Karnevalsmützen den Träger an Hand der Farbkombination einer Gesellschaft zuordnen.
Sie vermittelt wie die Mütze das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitglieder untereinander. Aber wie so manches im Leben gibt es auch bei der Kombination der Karnevalskleidung gewisse Regeln. Diese sind durch eine Kleiderordnung festgelegt. Um die Kleidung auf Vollständigkeit und Korrektheit zu prüfen, werden Anfang des Jahres Appelle durchgeführt. Ein Appell ist ein Aufruf oder eine Aufforderung an die Mitglieder. Ein Appell ist auch ein Mahnruf zu einem bestimmten Verhalten. Es sind Richtungshinweise, an die man sich zu halten hat. In unserem Fall bedeutet dies nun ein korrektes Erscheinen mit den in der Kleiderordnung vorgegebenen Richtlinien. Die Sichtung der Karnevalsuniform erfolgt durch Herren des Vorstandes. Auf Abweichungen im Erscheinungsbild werden durch eine mündliche Äußerung (ein Appell an jemanden) aufmerksam gemacht.
Es bleibt aber in den seltensten Fällen nur bei den Ermahnungen. In der Regel zieht dies auch eine finanzielle Strafe nach sich. Auch bei uns Greesbergern kam hierbei eine schöne Summe zusammen. Der Appell im Karneval ist ein wenig vergleichbar mit den Gepflogenheiten im Militärwesen. Die Soldaten müssen zum Appell parat stehen, um Befehle entgegen nehmen zu können. Der Appell ist somit nichts anderes, als das Ausdrücken eines Wunsches oder eine Aufforderung in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Wenn in Bezug auf die Kleiderordnung dann alles in Ordnung ist, kann man die Greesbergjecken auf das andere närrische Volk loslassen. Traditionell wird beim Generalappell der Greesberger auch der aktuelle Orden der Session ausgegeben. Auch hier stoßen wir wieder auf einen militärischen Hintergrund.

 

Ursprünglich waren nämlich die Karnevalsorden gedacht als Persiflage auf militärisches Gepränge. Der Karnevalsorden entwickelt sich seit ein paar Jahren zu einem beliebten Sammelobjekt. Ob nach Gesellschaft, Jahrgängen oder Motiv, es gibt viele Gründe warum sich immer mehr für dieses Hobby interessieren. Teilweise werden die Orden aus feinsten Materialien und in höchster Qualität hergestellt.
Es hatte schon seinen Grund, warum in der Einladung zum Generalappell auf ein pünktliches Erscheinen hingewiesen wurde. Das Kommen eines Vorstandsmitgliedes des Festkomitee Kölner Karneval deutet in der Regel auf ein besonderes Ereignis hin. Und so war es auch von der Gesellschaft geplant. Der Schatzmeister des Festkomitee Kölner Karneval, Uwe Brüggemann, überreichte den Senatoren Claus Adams und Herbert Hoven den Verdienstorden des Festkomitees in Silber. Diesen Orden kann man sich wirklich nur verdienen. Man muss dafür über Jahre hinaus Überdurchschnittliches für den Karneval geleistet haben. Schließlich ist Herbert Hoven noch so ganz nebenbei fünfzig Jahre Mitglied bei den Greesbergern. Mitglied Christian Zenzen wurde danach noch zum Senator ernannt. Warum aber auf der Ernennungsurkunde Alexander Zensen stand, wussten vermutlich nur die Insider.
Beim Korps- oder Generalappell werden auch die neuen Mitglieder vereidigt. Aufgrund der zahlreichen neuen Anwärter musste diesmal die Fahnenstange des Plaggen verlängert werden, auf den der Gesellschaftseid durch Handkontakt der neuen Mitgliedern geleistet wurde. An diesem Abend wurden dabei folgende Personen als offizielle Mitglieder in die Gesellschaft aufgenommen. Tanzoffizier Markus Haas, Werner Hansch, Michael Knappstein , Rolf und Jan Oelerich sowie aus dem Reitercorps Ruwen Isser, Inga Klever, Dr. Stefan König und Jürgen Westphal. Wir freuen uns mit Beginn der neuen Session auf diese Mitglieder.
Die JTG und die TG Kölsche Greesberger zeigten im Foyer ihre aktuellen Tänze, mit denen sie seit kurzem schon durch die Säle Kölns und Umgebung ziehen. Mit welcher Freude und Hingabe die Mädels und Jungs ihre Darbietungen zeigen, das sieht man ihnen förmlich an. Leider mussten bei der Ausführung einer Hebefigur einige Glasteile des Kronleuchters dran glauben Unser Hausherr und Senator Peter Kunzmann nahm es aber mehr oder weniger gelassen hin. Neben all diesen Highlights war auch das Essen Programm. Grünkohl mit Kartoffeln und den üblichen Beilagen wie Mettwurst, Kasseler und Speck stimmten die Mitglieder zufrieden. An dieser Stelle auch ein Dank an das Küchen- und Bedienungspersonal.
Das ist Karneval, das ist Fastelovend. Welcher Nicht-Kölner beneidet uns nicht darum, auf Kommando die alltäglichen Probleme für ein paar Tage vergessen und ausgelassen „Fastelovend fiere“ zu können? Ohne Fastelovend geht es nicht, da versteht der Kölner keinen Spaß. Diese Einstellung hat den Karneval zum weltweiten Markenzeichen für die Stadt werden lassen! „Wenn et Trömmmelche jeht, dann stonn mer all parat“.
Fotos: Claus Adams, Peter Knäbel
Text: Georg Steinhausen
   
©2010 Große Karnevals-Gesellschaft Greesberger e.V. Köln von 1852