Greesberger-Herrentour am 22.7.2017

Am Samstag, dem 27.08.2017, stand die Herrentour 2017 im Jahresprogramm der Greesberger. Um 09:30 Uhr setzte sich der Bus vom bewährten Bushalteplatz in der Komödienstraße in Bewegung. An Bord waren 25 Teilnehmer, die sehr daran interessiert waren, die faszinierende Welt der Stahlproduktion etwas genauer kennenzulernen. Dafür hatten die Planer der Tour eine Besichtigung der Firma „Thyssenkrupp Steel Europe AG“ in Duisburg vorbereitet. Bei einer Werksführung sollte man unter fachkundiger Führung direkt vor Ort erleben, wie weiß glühendes und flüssiges Eisen in massiven und unverwüstlichen Stahl verwandelt wird.

Aber bis zum Eintreffen bei Thyssenkrupp mussten zunächst mal einige Autobahnkilometer absolviert werden. Manni, der Busfahrer von der Firma Bus und Reisen Schmidt, wurde uns wieder für die Herrentour als Fahrer zugeteilt. Ihn kennen wir schon seit vielen Jahren.

Nach der Begrüßung durch „Manni“ und unseren Senatspräsidenten Hermann-Josef Kastenholz ging es in Richtung Duisburg. Der organisatorische Teil zum Tagesablauf übernahm nun der stellvertretende Senatspräsident Hildebrand Frost.

Eigentlich hätten wir es ja schon im letzten Jahr ahnen können, dass die diesjährige Herrentour auch was mit Rohstoffen, z.B. Erzen, zu tun haben könnte.

Hatte er uns doch auch schon im letzten Jahr auf die „Simonsley“ (415 Meter über dem Meeresspiegel) in die Eifel gelockt. Auf der „Simonsley“ wurde bis zum 19.Jahrhundert Eisenerz abgebaut. Der Gründer der Eisenhütte in Simonskall, Simon Kremer, besaß an dieser Stelle im 17. Jahrhundert Abbaurechte und betrieb eine Eisenerzgrube.

Allerdings muss es hier keine Wechselbeziehung geben.

Die bordeigene Kühlanlage hatte Schwierigkeiten, die Getränke einigermaßen auf Temperatur zu halten. Dafür fanden aber zu Beginn die anderen geistigen Getränke schnell ihren Abnehmer. Da wir an diesem Morgen staufrei bis in das Ruhrgebiet kamen, waren wir pünktlich vor den Werkstoren von Thyssenkrupp angekommen. Zur Stärkung für die anschließende Besichtigungstour wurde auf einem Besucherparkplatz das rustikale Frühstück mit Mettwürstchen, Käse, rohem Schinken, herzhaftem und süßen Gebäck, Kaffee, Bier, Sekt und einiges mehr hergerichtet. Ein sehr, sehr schmackhafter Imbiss, welches auch von den sechs Gästen auf unsere Fahrt bestätigt wurde.

Und danach sollte nun die mehrstündige Exkursion auf dem Werksgelände mit der praktischen Aufbereitung des Themas von der Rohstoffanlieferung bis zum fertigen Stahlband folgen.

Empfangen wurden wir am Tor -2- Mannesmannstraße von zwei Werksführern. Sie begleiteten uns zunächst in das Informationszentrum. Hier zeigte man uns einen Film über die Stahlproduktion. Im Anschluss wurden wir mit der notwendigen Schutzkleidung ausgestattet (Schutzhelm, Schutzbrille, Funkempfänger und Kopfhörer). Ein wichtiger Punkt war dabei der Sicherheitsaspekt.

Schon in der Einladung zur Herrentour wurde darauf hingewiesen, dass die „Sicherheits- und Kleidungshinweise“ dringend zu beachten sind. Darunter verstand man auch geschlossene, feste Schuhe, unempfindliche Kleidung (möglichst aus Baumwolle) und ganz wichtig, dass auch bei hochsommerlichen Temperaturen die Arme und Beine bedeckt sein sollten. Dieses Kapitel, welches auch mit Anlagen hinterlegt war, wurde aber im Vorfeld nicht von allen Teilnehmern so richtig ernst genommen. Und bevor wir das erste flüssige Eisen zu sehen bekamen, musste zunächst mal ein Kleidungstausch vorgenommen werden, damit die Vorraussetzungen für die Besichtigung erfüllt wurden.

Ohne diese entsprechende Bekleidung durften die Betriebsstätten nicht betreten werden. Erst danach startete die Besichtungsfahrt durch das Werksgelände. Der größere Teil der Besichtigungstour wurde mit dem Reisebus vorgenommen. Dies wurde uns schon bei der Anmeldung verkündet, dass die Anreise mit einem Bus erfolgen musste. Denn dieser wurde für die Fahrt auf dem Werksgelände benötigt. Man wäre bestimmt jetzt noch unterwegs, wenn die Werksführung nur zu Fuß stattgefunden hätte.

Nach dem Einführungsprocedere folgte nun die praktische Aufbereitung: „ Der Weg zum Stahl“. Die erste Anlaufstation war eine Hochofenanlage. Der Hochofen ist ein mehr oder weniger abgeschlossener Reaktorraum, der von oben mit Rohstoffen beschickt und von unten mit Luft (Wind) versorgt wird. Dadurch, dass an der Basis des Hochofens kontinuierlich Roheisen und Schlacke abgeführt und von oben Rohstoffe zugeführt werden, bleibt der Ofen immer gefüllt. In 24 Stunden produziert der Hochofen ca. 10.500 t Roheisen. Das flüssige Roheisen wird in Torpedopfannen geleitet. Die Torpedopfannen werden unterhalb der Abstichstellen positioniert und nach der Befüllung über das werkseigene Schienennetz in die Stahlwerke gebracht.

Wir hatten das besondere Glück, dass wir in der Hochofengießhalle auch einen Hochofenabstich miterleben durften.

Ein weiterer Besichtigungspunkt war der Bereich der werkseigenen Hafenanlage. Hierhin gelangt das Erz mit Schubschiffen über den Rhein aus Rotterdam. Hier werden die Schubverbände aufgelöst und über Greiferbrücken gelöscht. Kilometerlange Transportbänder befördern die Rohstoffe zu den Mischbetten, auf denen die verschiedenen Roh- und Zuschlagsstoffe im optimalen Mischungsverhältnis aufgeschüttet werden.

Anschließend führte uns die Weiterfahrt zum Stahlwerk. Im Stahlwerk wird das Roheisen in Konvertern zum eigentlichen Stahl umgewandelt.

Auch hier wurden wir vom Glück begleitet. Nach einer kurzen Wartezeit konnten wir verfolgen, wie das flüssige Roheisen durch Kippen der Pfanne in den Konverter gefüllt wurde. Die Oberflächenvergrößerung während des Umfüllens führt mit Luftsauerstoff zu heftigen Flammenentwicklungen. Auch das Abziehen der oben aufschwimmenden Schlacke über den Pfannenrand und die Beschickung mit Schrott konnten wir im geöffneten Konverterbereich verfolgen.

Beim Verbrennungsprozess der Eisenbegleiter wird Energie freigesetzt. Schrott (u.a. Weißblechdosen in Form von Paketschrott, alte Konstruktionsteile usw.) können daher preisgünstig recycelt werden. Der ganze Produktionsprozess ist aber erheblich komplizierter und mit wenigen Worten nicht erklärbar.

Leider wurden uns die Stranggießanlage und die Warmwalzstraße zur Besichtigung nicht angeboten.

Zum Abschluss ging es zurück zum Besucherzentrum, wo wir uns dann mit dem noch aktuellen Sessionsorden von den beiden Werksführern verabschiedeten. Damit war der spannende Werksbesuch dann auch zu Ende.

Von hier aus ging es weiter zum Baldeneysee.

Der Baldeneysee ist der größte der sechs Ruhrstauseen. Er liegt im Süden der Stadt Essen zwischen den Stadtteilen Werden, Bredeney, Heisingen, Kupferdreh und Fischlaken. Betreiber der Stauanlage Baldeneysee ist der Ruhrverband.

Das sonnige Wetter und das große WDR 4 Sommer Open Air lockte zahlreiche Besucher an den Baldeneysee. Alle Parkplätze waren dadurch belegt und man konnte schon von einem kleinen Verkehrschaos sprechen. Manni lenkte den Bus über den direkt neben der Regattatribüne und dem Regattaturm liegenden Parkplatz zu den Südtiroler Stuben. Dabei musste Manni seine Fahrkünste ganz schön unter Beweis stellen. Dafür erhielt er dann auch anhaltenden Applaus.

Brotzeitbrettl, Leberknödelsuppe, Weißwürste – nein wir waren nicht in Bayern, sondern am Baldeneysee. Die Südtiroler Stuben haben sich, wie der Name schon sagt, ganz der Alpenküche verschrieben und das hat auch seinen Grund. Die Inhaber der Gastronomie kommen ursprünglich aus Südtirol.

Unsere reservierten Plätze waren auf der groß angelegten Terrasse, die unlängst umfangreich renoviert worden war. Das Bedienungspersonal war freundlich, zuvorkommend und flott. Da wir die Gerichte schon vorher im Bus telefonisch bestellt hatten, mussten wir auch nicht lange darauf warten. Dreieinhalb Stunden hatten wir dann direkt am See so etwas Ähnliches wie Urlaubsatmosphäre, nur mitten im Ruhrgebiet. Gegen 19:30 Uhr hatten alle ihre Zeche bezahlt und es ging zurück Richtung Heimat. Ein Dank geht an die Herren des Senatsvorstandes, die uns diese interessante Fahrt angeboten haben.

Text: Georg Steinhausen