Mädchensitzung am Mittwoch, 17.01.2024


Minusgrade, Schnee und glatte Straßen: Eine Unwetterfront mit heftigen Schneeschauern erreichte am Mittwoch Köln und die Region. Der Winter war eingezogen und hatte alles fest im Griff. Die besondere Wetterlage über Nordrhein-Westfalen mit starken Schneefällen und glatten Straßen hatte erhebliche Auswirkungen auf die Infrastruktur. Wegen der Luftmassengrenze im Rheinland herrschte das reinste Schnee-Chaos. Kalte Luftmassen trafen auf wärmere aus dem Süden. Durch Glatteisbildung war der Bus- und Schienenersatzverkehr in der Region stark eingeschränkt. Dies führte zu hohen Verspätungen und gegebenenfalls dazu, dass der Schienenersatzverkehr in einigen Gebieten komplett eingestellt wurde. Die Wetterlage hatte einen erheblichen Einfluss auf die Anreise unserer auswärtigen Besucher. Viele unserer Besucher verzichteten aufgrund der Wetterverhältnisse auf den Sitzungsbesuch. Überraschend war allerdings, dass aus den Reihen der Künstler keine Absage kam. Trotz allen äußeren Einflüssen konnte die Mädchensitzung pünktlich beginnen. Schneetreiben und glatte Straßen waren für die Mädels kein Problem. Sie strömten bunt kostümiert am Mittwochnachmittag in das Maritim Hotel Köln, um mit uns Greesbergern auf ihrer Mädchensitzung zu feiern. 

In den fünfziger und frühen sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts boten einige Karnevalsgesellschaften den Frauen eigenes Karnevalsvergnügen an. Diese Veranstaltungen erhielten den für heutige Ohren biederen Namen „Hausfrauennachmittage“. An dieser Stelle erwähnen wir mit Stolz, dass die Hausfrauennachmittage eine Erfindung der Greesberger sind. Der damalige Präsident Herbert Limbach hatte 1949 erstmalig eine solche Veranstaltung in Köln durchgeführt. Später wurden daraus die Mädchensitzungen. Gut, dass sich Herbert Limbach damals nicht von seinem Weg abbringen ließ, obwohl er für die Hausfrauennachmittage anfangs belächelt wurde. Somit feierten wir am 17.01.2024 im Maritim Hotel Köln den 75. Geburtstag der Mädchensitzung der Greesberger. Im Maritim Hotel herrschte schon im Foyer eine ausgelassene Stimmung, die dann anschließend mit in den Saal genommen wurde. Die Mädchen können Damensitzungen nach allen Regeln karnevalistischer Kunst feiern. 

Im Jahre 2003 wechselten die Greesberger mit der Damensitzung (unser traditioneller Hausfrauennachmittag) vom Großen Saal im Sartory in das Maritim Hotel Köln. Die erste Veranstaltung für die Mädchen und Damen fand dort am Mittwoch, 11.02.2004, statt. Schon seit 20 Jahren feiern wir mit der holden Weiblichkeit im Stimmungstempel Maritim Hotel Köln den Fastelovend.

Die tolle Stimmung zu Beginn der Veranstaltung wurde durch das Programm noch weiter gesteigert, denn Literat Christian Böhm hatte ein abwechslungsreiches Programm mit vielen Höhepunkten zusammengestellt. Die Damen konnten sich dann auf einen tollen Mix aus Musik, Reden und Tanzeinlagen freuen. Die Herren der Gesellschaft hatten recht viel Spaß, die gut gelaunten Mädels in den Saal eilen zu sehen. Der Vorverkauf lief gut, der Saal war knackig voll. Sogar bis oben auf die 2. Empore hatten sich die Mädels gewagt und auch von dort versprühten sie beste Laune. Dass der Karneval traditionell Männersache sein soll, ist eben ein Märchen.

Eine erfreuliche Geste war die Sachspende des Fachgroßhandels, Firma Arnoldi Betriebs-Hygiene, die 1000 Staubtücher mit dem Aufdruck „75 Jahre Hausfrauennachmittag“ angefertigt hatten. Diese wurden auf den Tischen ausgelegt und durften später auch mit nach Hause genommen werden.

Der Elferrat bestand aus Männern und Frauen und erschien in einem außergewöhnlichen Outfit. Mit Kittel, Häubchen und Staubwedel sorgte die Staubwedeltruppe als Hausfrauen der 40er Jahre für ein jeckes Bild. Besonders angetan waren die Damen von den blonden Zöpfen und den schwarzen Pumps mit Keilabsatz von Sitzungsleiter Michael Kramp.

Nachdem dat jecke Schmölzje ihre Plätze im Elferratsgestühl eingenommen hatte, folgte direkt zu Beginn ein Rednerbeitrag mit Ingrid Kühne in der Rolle von „De Frau Kühne“. Wo Ingrid Kühne als „De Frau Kühne“ auftaucht, räumt sie als Rednerin im Karneval ab. Immer im Gepäck: Eine große Portion Selbstironie. Ein Witz jagt den nächsten. Ihre Alltagsschilderungen kommen beim Zuhörer begeistert an und strapazieren die Lachmuskeln.

Nach dem Redebeitrag wurde vom Sitzungsleiter Michael Kramp die Musik-Band „StadtRand“ angekündigt. Seit Anfang 2014 widmet sich die Band „StadtRand“ der kölschen Musik. Die sechs Musiker der Band harmonieren auf der Bühne mit gefühlvollen und rockigen Nummern.

Musikbeiträge Kölscher Bands bringen zwar eine große Portion Stimmung mit in den Saal, aber auch eine gewisse Unruhe. Danach haben es Redner meistens sehr schwer. Aber nicht, wenn nach einem Musikbeitrag die Kabarettistin Lieselotte Lotterlappen (Joachim Jung), die glamouröse Comedy-Dame aus Limburg an der Lahn, auf der Bühne steht. Das beliebte Plappermaul ist wortgewandt, spontan und urkomisch. 

Nachdem Lieselotte Lotterlappen ihren hervorragenden Beitrag abgeliefert hatte, folgte die Zwergen-Show der beiden Künstler vom Heddemer twiXX, die aus Frankfurt am Main angereist waren. Früher war die Showtruppe bekannt als das Heddemer Dreigestirn. 

Nach der Pause und vor dem Auftritt der Höhner wurde Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn von Präsident Markus Otrzonsek für seine Verdienste um die Greesberger zum Ehrenratsherrn ernannt. Auf Initiative von Michael Kramp wurde der FK-Präsident ins Maritim gelockt, obwohl das Festkomitee Kölner Karneval zeitgleich im Theater am Tanzbrunnen ebenfalls eine Mädchensitzung hatte.

Als die Höhner dann anschließend auf der Bühne standen, herrschte eine so tolle Stimmung, das muss man einfach selbst erlebt haben. Alle Gäste standen, schunkelten und sangen, das war einfach toll. Und selbst der Mann im Mond - unser Symbol - schunkelte verträumt mit. 

Nach den Höhnern folgte der gemeinsame Auftritt unserer Tanzgruppen, der JTG & TG „Kölsche Greesberger“, mit ihren Tanzdarbietungen auf höchstem Niveau. Die TG „Kölsche Greesberger“ versteht es wie kaum eine andere Tanzgruppe, das Publikum mitzureißen und eine wahnsinnige Stimmung zu verbreiten. Es sind nicht nur die spritzigen Choreografien, die mitreißende Musik oder die Tänze mit akrobatischen Elementen und Hebefiguren, mit den die Kölsche Greesbergern punkten. Es sind auch die professionellen Darbietungen, die eine Leichtigkeit spiegelt, die das Publikum von Beginn an begeistert. Auch die JTG „Kölsche Greesberger“ verbindet ihre Tänze mit modernen Elementen und Musik und transportiert regelmäßig ihre jugendliche Frische und Unbekümmertheit in den Saal, die beim Publikum sehr gut ankommt. Ob auf Sommerfesten, privaten Veranstaltungen oder natürlich im Karneval: Stimmung und gute Laune ist garantiert. 

Nachdem die Tanzgruppen den Saal verlassen hatten, zog das Kölner Dreigestirn ein. Noch am vergangenen Montag hatte die behandelnde Ärztin Prinz Sascha I. und der Jungfrau Frieda eine Erholungspause angeordnet und sie mussten gesundheitlich pausieren. Prinz Sascha I. plagte eine dicke Erkältung und der Jungfrau machte ein Muskelfaserriss im Becken zu schaffen. Umso mehr freuten wir uns, dass das große Trifolium Prinz Sascha I, mit Bauer Werner und Jungfrau Frieda bei unserer Mädchensitzung wieder komplett war. Übrigens stammt der Begriff Trifolium aus dem lateinischen (tres „drei“ und folium „Blatt“) und ist ein anderer Name für das Dreigestirn. Nachdem das Kölner Dreigestirn die Bühne verlassen hatte und sich auf den Weg zur nächsten Veranstaltung aufmachte, kam die Stunde der Powerbands.

Karnevalssitzungen haben sich in den vergangenen Jahren immer mehr zu wilden Partys entwickelt. Wenn Kasalla, Brings, Cat Ballou & Co. die Säle betreten, gibt es kein Halten mehr. Auch auf unserer Veranstaltung folgten nun Auftritte von kölschen Bands. Ein Redebeitrag hätte es jetzt auch sehr schwer, noch Aufmerksamkeit zu erlangen. 

Die Räuber eröffneten den Band-Marathon. Die Räuber gehören seit Jahrzehnten zur Top-Liga der kölschen Bands. Nach der Präsentation bekannter Lieder, wie z.B. „WIGGA DIGGA“, kam nun etwas, was man in der ARD-Sportschau als „Rhythmische Sportgymnastik“ ankündigen würde. Bei dem neuen Karnevalsschlager „Oben Unten“, werden Muskelpartien aktiviert, von denen man bisher gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Geschicklichkeit und Beweglichkeit sind die wichtigsten Fähigkeiten, die man beim Mitmachen mitbringen muss. Das Mikrofon wurde im Anschluss an die Klüngelköpp weitergereicht. Seit ihrem Hit „Stääne“ zählen die Klüngelköpp neben den Bläck Fööss, Höhnern, Brings, Räuber und den Paveiern zu den bekanntesten Bands des Kölner Karnevals. Es folgten die Domstürmer. Die Band um Sänger Micky Nauber wurde 2006 gegründet und gehört zu den gefragtesten Live-Künstlern mit Liedern in kölscher Sprache. Zu ihren bekanntesten Liedern gehören „Meine Liebe, meine Stadt, mein Verein“ oder „Ohne Dom, ohne Rhing, ohne Sunnesching“. Das Stimmungsbarometer war nach dem Auftritt der Domstürmer schon am Anschlag, da kam zum Abschluss des Band-Marathons noch die die kölsche Mundart- und Karnevalsband „Paveier“. Man kennt sie einerseits durch Karnevalsklassiker wie „Schön ist das Leben“ oder „Heut brennt mein Iglu“, doch auch durch neuere sehr erfolgreiche Songs wie „Leev Marie“ oder den letzten Hit „Nie mehr Alkohol“ haben sie überzeugt.

Sitzungsleiter Michael Kramp führte ganz bravourös durch das Programm. Er bringt nicht nur das Publikum in Schwung, nein er verstand es auch, in besonderem Maß den Staubwedel-Elferrat immer wieder zu körperlichen Aktivitäten zu animieren.

Im Foyer sorgte Manfred Krombach noch für den musikalischen Ausklang der Veranstaltung. Die Verweilzeit der Mädels im Foyer war aber nur von kurzer Dauer. Da inzwischen vor dem Maritim Hotel ca. 20 cm Neuschnee gefallen war, stellte sich manch eine die Frage: Wie kommen wir jetzt wieder nach Hause?                             GS